Die Zootiermedizin ist ein vielfältiges Aufgabengebiet.


Zoos sind verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Pflege ihrer Tiere auf der Grundlage eines dem Stand der guten tiermedizinischen Praxis entsprechenden Programms zur Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten sowie zur Ernährung erfolgt. Somit ist eine tierärztliche Betreuung für den Betrieb eines Zoos unerlässlich. Diese umfasst oftmals eine große Zahl verschiedener Tierarten und -individuen, darunter Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien, Fische und Wirbellose. Die Gesundheit der Zootiere zu gewährleisten und aufrecht zu erhalten, stellt eine der wichtigsten Bemühungen der Zoomitarbeiter/-innen dar. Die Vorbeugung von Krankheiten beinhaltet dabei viele Faktoren der Tierhaltung, der Ernährung, der medizinischen Prophylaxe sowie der Hygiene. Die art- und tiergerecht angepasste Zootierhaltung stellt als Grundlage für Gesundheit und Wohlbefinden einen besonders wichtigen Faktor dar, und ist Gegenstand kontinuierlicher Entwicklung. Optimale Fütterung einschließlich adäquater Versorgung mit Mineralstoffen und Vitaminen ist essenziell für die Erhaltung eines abwehrstarken Organismus sowie einer gesunden Fortpflanzung. Als tiermedizinische Aspekte seien beispielhaft Impfungen sowie Überwachung und Prophylaxe parasitärer Erkrankungen genannt.  Neu in den Bestand aufgenommene Tiere erfahren eine Eingangsuntersuchung und durchlaufen eine Quarantänezeit,  damit eine Einschleppung von Krankheitserregern in den Zoo verhindert wird.

Bei den oftmals großen Tierzahlen von mehreren Tausend Individuen können sich diverse  tierartspezifische  Erkrankungen entwickeln. In jedem Krankheitsfall, handele es sich um eine Verletzung, Infektion, Stoffwechselstörung oder auch Alterserscheinung, müssen individuelle Behandlungsstrategien gefunden werden. Hierbei sind tiermedizinisches Fachwissen und Erfahrung in der Zootiermedizin essenziell. Im Gegensatz zu den meisten Haustieren kaschieren Wildtiere ihre Erkrankungen oftmals sehr lange, um möglichst unauffällig zu bleiben. Weiterhin tolerieren sie den direkten Kontakt mit Menschen oft schlecht und nehmen den Untersucher als Bedrohung wahr. Einige Tierarten sind zudem sehr gefährlich. So können Diagnostik und Behandlungen nur unter erschwerten Bedingungen oder sogar Vollnarkose stattfinden. Hier stellt ein medizinisches Training der Tiere eine große Erleichterung und Bereicherung dar – für Zootier und Mensch! Es lassen sich viele Zootiere für freiwillige Gewichtskontrollen, Untersuchungen der Maulhöhle, Ultraschall und Röntgenaufnahmen oder sogar Blutentnahmen trainieren. Neben dem Vorteil einer anspruchsvollen Beschäftigung der Tiere hat dies risikoarme und schonende Behandlungen zur Folge.

In wissenschaftlich geführten Zoos sind viele Tierarten Bestandteil von Erhaltungszuchtprogrammen. Um diese zooübergreifend gestalten zu können, stehen häufig Transporte von Zootieren zu oder von anderen Zoos an. Einige Tierarten kommen auch für eine Auswilderung im Freiland in Frage. Zur Vorbereitung von Transporten gehört in den meisten Fällen die Untersuchung auf spezielle Krankheitserreger oder eine allgemeine Gesundheitskontrolle. In besonderen Fällen werden Tiertransporte auch tierärztlich begleitet.

Nicht nur Zootiere profitieren von der tierärztlichen Expertise, sondern oftmals auch heimische oder exotische Wildtiere. So sind Zoos für viele Bürger der erste Ansprechpartner, wenn es um Hinweise zur Erstversorgung, Fütterung und auch Auswilderung verletzter Wildtiere geht. Manche Zoos betreiben sogar eine eigene Wildtierauffangstation. Bei der Beschlagnahmung illegal eingeführter Wildtiere aus dem Ausland sind Zootierärzte/-innen und Zoologen/-innen oftmals gefragte Helfer der Zollbehörden. Zu guter Letzt nehmen Feuerwehr und Polizei beim Umgang mit oder Fangen von potentiell gefährlichen Tieren ebenfalls tierärztliche Hilfe in Anspruch, beispielsweise um Tiere aus der Distanz zu immobilisieren.

Im Rahmen rechtlicher oder seuchenhygienischer Fragestellungen findet eine enge Zusammenarbeit mit den zuständigen Veterinärbehörden statt. So waren und sind Tierärzte/-innen beispielsweise im Rahmen der europaweit grassierenden Vogelgrippe stark in vorbeugende Maßnahmen involviert. Hierzu gehört die Planung, Einrichtung und Kontrolle der Quarantäne- und Seucheneinrichtungen ebenso wie die Durchführung umfangreicher Beprobungen der Vogelbestände.

Die pathologische Untersuchung aller im Zoo verstorbenen Tiere gibt Aufschluss über Krankheitsursachen und eventuell vorhandene Seuchenerreger. So gewonnene Informationen helfen, das Wissen zu erweitern und zukünftige Fälle zu verhindern, früher zu erkennen, oder gezielter behandeln zu können.

In vielen Zoos kommen weitere, nicht direkt tiermedizinische Aufgabenfelder hinzu. Diese können z. B. Mitarbeit bei der Planung und Gestaltung von Tieranlagen, kuratorische Tätigkeit für einen Teil des Tierbestandes, Führen des Zuchtbuchs für eine Tierart oder Ausbildung angehender Tierpfleger/-innen umfassen. Auch an den Edukationsangeboten eines Zoos, wie Zooführungen, Seminaren, Vorträgen oder der inhaltlichen Gestaltung von Beschilderungen und anderen Informationsmaterialien sind Zootierärzte/-innen beteiligt. Im Rahmen von Presseanfragen nehmen sie oftmals öffentlich zu aktuellen Geschehnissen Stellung.

Durch die Veröffentlichung wissenschaftlicher Studien in Form von Vorträgen oder Artikeln in Fachzeitschriften sorgen Zootierärzte/-innen dafür,  das Wissen über Physiologie, Krankheiten und Behandlung von Zoo- und Wildtieren zu vermehren und zu verbreiten. Es werden darüber hinaus tiermedizinische Doktoranden, und Tiermedizinstudenten im Praktikum betreut. Im Rahmen nationaler und internationaler Konferenzen finden regelmäßige Fortbildung sowie fachlicher Austausch mit Kollegen statt. Im Fachgebiet Zoo- und Wildtiermedizin sind zudem Spezialisierungen im Rahmen von nationalen und internationalen  Fachtierarzttiteln möglich..

Nicht zuletzt haben Zootierärztinnen und Zootierärzte aufgrund ihrer Profession und Ausbildung in ihren Institutionen eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung der Tierschutzgesetzgebung. So haben sie das Wohlbefinden der Tiere im Fokus, welches über die reine Abwesenheit von Krankheit hinausgeht.

Zootiermedizin für den Artenschutz